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Die Geschichte des Somaar

An knisternden Feuern zur späten Stund des Tages erzählen sich die Bewohner des Landes die Geschichte des alten und weisen Somaar.

Kinder kauern sich neugierig, aber auch ein wenig verängstigt an die Schürzen ihrer Mütter; die Männer stopfen sich genüsslich ihre Pfeifen und erfüllen die Luft mit dem Geruch des süßlichen und edlen Pfeifenkrauts.

Woher der alte Somaar kommt oder wohin er geht, das weiß keiner so genau.

Urplötzlich taucht er auf und bannt die Menschen mit seinen Geschichten oder hilft ihnen mit Ratschlägen.

Wenn sich die Mannen müd vom Feld oder von der Schlacht in der Taverne treffen, dann sitzt er fast zufällig in der Ecke und lauscht dem Treiben der Taverne. Oder man sieht ihn unter einen Baum sitzen, umringt von Kindern, die ihm andächtig lauschen.

Da er immer dann auftaucht, wenn man Hilfe braucht, könnte man glauben der Wind sei sein Gefährte.

In einem Moment sitzt er unter der Dorfeiche, doch Reisende wollen ihn erst vor Kurzem in der Stadt, die doch mindestens zwei Tagesmärsche entfernt ist, gesehen haben.

Wie ist das möglich?

Oder die Ritter und Knappen wollen seine Stimme kurz vor einer Schlacht vernommen haben, die sie vor herannahenden Horden oder einen falschen Schritt warnten. Man hat ihn nicht gesehen, aber seine Stimme ist eindeutig vernommen worden.

Da er den Mannen der Herzogin mit gutem Rat half, wurde der alte Somaar am Hofe sehr geschätzt.

Man sieht ihn nicht oft am Hofe. Wenn er plötzlich auftaucht, geht er stolz seinen langen Wanderstock fest in der Hand zur Herzogin, nimmt sie bei der Hand, führt sie zum Balkon der Burg, weist mit seinem Stock auf das prachtvoll und friedlich liegende Land und spricht immer den selben Satz:

"Haltet dieses Land in eurem Herzen, hütet die Lebewesen, wie ein neugeborenes Kind, gebt vor der Dunkelheit acht und seid gerecht , wie damals euer Vorfahr und der Drache."

Diesen Satz beendet er immer mit einem sanften Lächeln, was fast göttlich durch seinen langen weißen Bart fällt. Zum Abschied streicht er der Herzogin immer übers Haar, was fast so den Anschein hat, als wenn die beiden ein Band verbindet, fast so wie Tochter und Vater. Doch dieses war nicht möglich, denn der Vater der Herzogin verstarb bereits vor vielen Jahren.

Dann verschwand der alte Somaar immer so schnell, wie er gekommen war.

Ja, viele Rätsel umgeben ihn.

Viele glauben er sei so alt wie die Zeit. Andere glauben Somaar hätte ein Kraut gegen das Altern. Er schien wirklich nicht zu altern. Einige kannten ihn schon von der Wiege auf an, aber er sah immer gleich alt aus, wie ein Mann um die sechzig Lenze.

Es gibt Menschen, die glauben er sei der Drache, der vor Urzeiten mit dem ersten Herzog gemeinsam um das Land kämpfte; andere glauben, dass er ein Geschöpf des Waldes ist, vielleicht der König der Elfen?

Aber da der alte Somaar die Kapuze seines Mantels niemals absetzt, wird man es wohl nie wissen.

Eins kann man wohl sagen, er wird von jedem gemocht und geschätzt, nur das Unheil und die Dunkelheit hat keinen Vertrag mit ihm.