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Der Gott Bolgur

Niedergeschrieben durch göttliche Eingebung und eigene Erfahrung von Bruder Balthazar, dem Diener Boolgurs.

Schon als die Welt noch sehr jung war, da wurde Boolgur schon uralt genannt. Die Stunde Seiner Geburt liegt im Dunklen verborgen und keines Menschen Seele ist von Ihm je darüber aufgeklärt worden, so sagen es die alten Schriften.
Die Wesenseinheit Boolgur wurde schon vor sehr, sehr langer Zeit in fremderen Gefilden und Gestaden als im Mittellande verehrt. Allerdings liegt dieses schon so lange zurück, dass sich kaum noch jemand an den Gott Boolgur erinnern kann, außer in uralten Legenden und Sagen, die per Schiff von weit her in den Mittellanden aufgetaucht sind.

Da wohl zu der damaligen Zeit die Verehrer Boolgurs durch Kriege oder Naturkatastrophen ausgelöscht wurden (so genau, warum Boolgur nicht mehr verehrt wurde, weiß heute niemand mehr zu sagen, die Legenden sind zu spärlich und ungenau), geriet der Name Boolgur langsam aber sicher in Vergessenheit. So schwand auch die Macht der Wesenseinheit.

Boolgur teilte seinen Anhängern seine Botschaften durch Talismane, Statuetten und Totems mit, ähnlich dem Schamanismus, so wird es jedenfalls vermutet. Diese Artefakte seiner göttlichen Macht wurden von seinen treuesten Dienern geschaffen und Er selbst hauchte ihnen dann göttlichen Odem ein. Die Gestalt und Form blieb dabei frei wählbar, sie sollte jedoch auf jeden Fall das Element Erde enthalten und vom Feuer gereinigt sein. Da diese Artefakte damals scheinbar auch alle vernichtet oder verschollen waren, hatte der Gott keine Möglichkeit, neue Anhänger auf der Ebene der Menschen zu finden.

Nachdem Jahrhunderte, ja gar Jahrtausende und mehr ins Land gegangen waren, in denen er nicht mehr verehrt wurde, schwand seine göttliche Macht fast ganz dahin. Auch konnte Er deshalb kaum noch in die Geschicke der Menschheit eingreifen, um diese zu führen und zu lenken nach Seinem Willen.
Nach einer weiteren, sehr langen Zeit tauchte eine seiner Statuetten im Lande Galladorn, in einer kleinen Baronie, jenseits aller wichtigen Handelswege, wieder auf, sie wurde von einem einfachen Bauern auf dem Felde gefunden, beim Anbau von Rüben grub er sie aus der tiefen dunklen Erde.
Dieser einfache Bauer, genannt Jochen, war ich, den man nun Bruder Balthazar nennt. Denn aus dieser Statuette sprach der Gott zu mir und durch einige Wunder, die mir Seine Herrlichkeit Boolgur zuteil werden ließ, bekehrte Er mich. Ich wurde nach langer Zeit der erste Seiner neuen Priester. Dieser Prozess dauerte natürlich eine ganze Weile, da ich kaum glauben konnte, das ein göttliches Wesen zu mir sprach! Mich gar auserwählte!! All zu groß war mein erstes Erschrecken. Aber durch Seine Güte und Seine warme Stimme nahm Er mir meine Angst.
Er sah mich große Wunder schauen, ein Feld mit Rüben wuchs nah bei uns im Dorfe über Nacht. Auch rettete Er mir einige Male durch Seine Warnungen mein Leben und das meiner Familie. Ich wurde von IHM bekehrt. Auch einige einfache Menschen aus meinem Dorf, so wie meine Familie, konnte zu Seinem Glauben bekehrt werden, denn Er rettete die Gläubigen vor einem Orküberfall und vor der Hungersnot.

Seitdem ziehe ich und einige wenige Menschen aus, um Seinen Glauben im Land zu verbreiten. In Galladorn besuchte ich ein Kloster des Drachen, lernte sehr viel und verbrachte dort einige Jahre. Dann schickte mich Boolgur hinaus in die Welt, um Sein Wort überall zu verbreiten.
Sein Streben und Handeln gilt den einfachen Leuten, Arbeiter und Bauern, Er sorgt für gute Ernten, sichere Reisen auf allen Wegen und will Not und Leid auf dieser Ebene mildern. Reichtum ist Seiner Ansicht nicht so sehr erstrebenswert, gib es lieber den Armen, es reicht, wenn du ein paar Kupfer dein Eigen nennst. Auch Schwert und Stahl und blut`ger Krieg ist nicht Sein Weg, beschreite diesen nur in allergrößter Not, versorge lieber die Verletzten oder segne diejenigen, die Krankheit oder Verwundung erliegen, auf das sie eingehen in sein Reich.
Jedoch ist Er streng gegenüber seinen Feinden und denen seiner Jünger, wenn es also eben geht, und sich ein Kampfe nicht vermeiden lässt, so ist Er stets an meiner Seite, als Dank dafür schicke ich IHM dann die Seele des Feindes, auf das sich Boolgur seiner annehmen möge. In Seinem Reiche wird er diese Seele läutern und dann darf sie ewiglich in Seinem herrlichen Reiche wandeln. Es wird dieser Seele dann an nichts mehr mangeln und immer wohl ergehen.

Seine Hauptelemente sind Feuer und Erde, schütze diese Elemente, wo es nur geht. Dem Wasser ist Er nicht so zugetan, daher sprich ein kurzes Dankesgebet, wenn du dieses Element sicher überqueret hast (ein großer Fluß oder ein Meer, jaja, waschen darfst du dich natürlich noch). Bist du gar auch einer seiner Priester, so solltest du auch schon vor der Überquerung eines der oben genannten Gewässers ein kleines, kurzes Stoßgebet an IHN schicken, Er wird dich dann umso besser beschützen.
Als Dank für Seine göttliche Hilfe verlangt Er nicht sehr viel von mir und dir. So bete als Sein Priester möglichst zwei mal täglich zu Ihm, des frühen Morgens und des späten Abends, und weihe dein einfaches Mahle IHM. Bei dem Gebete berühre die Erde und zünde möglichst Feuer an. Und führe Seelen sicher in Seine Obhut, indem du sie segnest in Seinem Namen. Diese Gebote sind IHM dann Dank genug.
Bist du einer der braven Kirchgänger des einfachen Volkes und glaubst an IHN, so bedarf es noch weniger, um in den Schutz Seiner Obhut zu gelangen. Du brauchst nur jeden Morgen ein kurzes Gebet zu Boolgur schicken, und wenn möglich, IHM ein oder zweimal im Jahre eine kleine Opfergabe darbringen. Diese wird in die Erde gegraben und mit Feuer entzündet (die Opfergabe liegt im Ermessen des Opfernden, jeder gibt, soviel er erübrigen kann). Als Dank wird Er dein Herdfeuer, deine Freunde und Familie und auch deine Ernte beschützen.
Willst du Boolgur dienen, so bedenke jedoch, Er ist schon uralt und hat lange nichts mehr aus der Sphäre der Menschen erfahren, daher ist Sein Wissen zwar fast unendlich, jedoch nicht, was die letzten Jahrtausende auf dieser Sphäre angeht, Er ist also itziglich ein wenig auf deine Hilfe angewiesen. Diese Symbiose von Geben und Nehmen zwischen uns Jüngern und IHM ist sehr wichtig. Also sei von dir selbst aus gierig nach Wissen wie ein Schwamm und auch ebenso neugierig auf Neues und Unbekanntes, Willfähriges und scheinbar Unmögliches, denn der Gott sieht durch deine Augen, lernet durch dich auch selbst noch hinzu, da Er lange von der Ebene der Menschen entfernt langsam und fast vergessen vor sich dahinvegetierte.
Falls du so in Seiner Gunst gestiegen bist, das du mit Seiner göttlichen Hilfe, die du von Boolgur erflehst, in der Lage bist, sogar spirituelle Kräfte in dir zu sammeln und Seine Wunder zu vollbringen, so darfst du dich wahrlich glücklich schätzen. Dann fühlst du dich so wohl, wie ich mich in Seiner göttlichen Obhut schon seit längerer Zeit fühle. Du bist zu einem wahren Prediger im Namen Boolgurs geworden. Er wird jetzt noch wohlwollender auf dich herab sehen und dich auf allen deinen Wegen begleiten und beschützen, und nun kannst du auch vieles von IHM noch erlernen.
Da er in ferner Zukunft auch Macht über die Sphäre der Daimonen erhalten will, um diese zu vernichten, so mache dich als Sein Prediger kundig über Rituale und Beschwörungen von dieser abscheulichen Brut, auf dass du sie später in deinem Leben beschwören und in die Heimstatt von Boolgur verbannen kannst, auf dass diese dort unter dem ewigen Zorn Boolgurs erzittern mögen.

Nun glaube aber auch nicht, der Gott sei rechtschaffen gut oder gar abgrundtief böse, nein er ist neutral gegenüber allem auf dieser Ebene eingestellt, Er mag weder das abgrundtief Böse noch das extrem Gute. Jedoch schwankt er manchmal zum Guten, sowie manchmal zum Bösen hin, aber wer kann schon als einfach Menschenkind entscheiden, was gut und was gar böse ist?? Oder was gar ein göttliches Wesen denkt und zu tun vermag?? Ich denke jedenfalls, das wir armen Menschlein dieses nicht vermögen und deshalb auf Sein weises Urteil vertrauen sollten.
So diene IHM redlich, fleißig und recht, dann wird es dir auf Erden wohlergehen. Und wenn du dann dereinst eingehest in Sein Reich, so wirst du dort deine Belohnung für die Mühsal auf Erden erhalten.

Falls ich mit dieser Niederschrift, die ich mit bestem Wissen und Gewissen erstellt habe, eure Neugier auf Boolgur erwecken konnte, so hat dieses Schriftstück schon seine Pflicht und Schuldigkeit getan, denn wer weiß, vielleicht konnte ich euch mit diesen einfachen Worten auf diesem Pergament von den Vorzügen Boolgurs überzeugen. Dann hätte ich neue Glaubensjünger für meinen Gott gefunden, und nichts wäre schöner für mich als dieser Gedanke.
Falls ihr, die ihr dieses Pergament leset, noch Fragen habt, so betet zu Boolgur, und wer weiß, wenn ihr nur inniglich glaubet, so werden euch diese Fragen von IHM beantwortet werden. Allerdings könnt ihr euch auch einfach an mich wenden, Bruder Balthazar, Wanderprediger im Namen Boolgurs. Ich werde, wenn ich kann, euch bei jeder Glaubensfrage mit Rat und Tat zur Seite stehen und kann auch noch viel mehr über meinen Gott erzählen, als das ich dieses jemals niederschreiben könnte.
Für weitergehende Glaubensfragen oder theologische Gespräche bin ich, Bruder Balthazar, jederzeit verfügbar.

Niedergeschrieben anno 6 nach Boolgur, in den Iden des Septembre, 3 Tag nach Neumond

gez. Balthazar

Die Gemeinschaft Boolgurs in Wiesengrund

So kam es auch, dass einige dieser Dörfler sich in Wiesengrund ansiedelten um dort von Boolgur zu berichten. Sie bekamen schnell Gehör unter der einfachen Bevölkerung der Bauern, besonders in Blutwiesen mit seinen großflächigen Feldern und der florierenden Viehzucht. Es gründeten schnell kleine Gruppen in den Dörfern die regelmäßig zu Boolgur beteten um seinen Schutz zu empfangen.

Dies ging einige Zeit, fasst wie Aberglaube von statten bis sich eine Gemeinschaft unter einem Gemeinen bildete. Dieser Gemeine hieß Ludor und war keineswegs ein Priester, aber er glaubte an Boolgur und verstand es die kleinen Gruppen von Bauern zu organisieren. Die Bauern halfen sich gegenseitig bei der Errichtung neuer Höfe und Ställe, auch bildeten sie eine Handelsgemeinschaft untereinander und finanziell schwächere Mitglieder wurden von den andren unterstütz. Die gemeinsamen Erzeugnisse wurden gesammelt und geordnet verkauft, so dass die ohnehin gute Handelssituation von Blutwiesen sehr stark angekurbelt wurde. Die Gemeinschaft Boolgur steuert nun einen nicht minderen Anteil zu, der so genannten, "Kornkammer von Wiesengrund" bei.

Die Gemeinschaft Boolgur ist eine kleine Splittergruppe der großen Kirche Boolgurs, die geführt wird durch den Obersten Rat Boolgurs. Die Gemeinschaft Boolgurs bestimmt die einflussreichsten Bauern unter ihnen um deren weltliche Güter zu verwalten, die spirituelle Führung dieser Gemeinschaft soll ein Vertreter Boolgurs innehaben, der durch seinen Vorgänger bestimmt wird. Im Augenblick wird die Gemeinschaft Boolgur noch durch ihren Gründer Ludor geführt.

Leider gibt es aber auch nicht sehr erfreuliche Ausschreitungen durch die Gemeinschaft Boolgur. Da Boolgur Angst und Vorsicht vor Wasser und deren Herrschern gebietet und predigen lässt, kommt es nicht selten vor, dass einige Bauern Boolgurs Pöbeleien bis Handgefechte gegen die örtlichen Seefahrer anzetteln.

Das Extrem fand in der großen Hafenstadt Abiram statt, als ein ganzer Mob Boolgur Anhänger ein dort im Hafen liegendes Handelsschiff zum sinken brachte.